In einer Pressemitteilung vor wenigen Tagen informierte die Firma Heinz Kettler über die geplante Neuausrichtung in Zug der Insolvenz-Anmeldung: „Die Geschäftsführung der Heinz Kettler GmbH & Co. KG, dem führenden Hersteller für Sport- und Freizeitartikel im europäischen Markt, hat sich am 01. Juni 2015 entschieden, für die Gesellschaft ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung nach §270a InsO durchzuführen. Dieser Schritt ist zum Schutz des traditionellen Familienunternehmens mit rund 1.100 Mitarbeitern alleine in Deutschland notwendig geworden, um die unabgestimmte Übernahme durch einen Finanzinvestor zu vermeiden und das Unternehmen neu auszurichten. Das Unternehmen wird seinen operativen Geschäftsbetrieb uneingeschränkt im Rahmen der vom Gericht bewilligten Eigenverwaltung fortführen, sodass die Kunden weiterhin Ihre Ware in bewährt guter Qualität erhalten. Das Management wird in dem Verfahren durch den Sachwalter Dr. Christoph Schulte-Kaubrügger, White & Case, sowie den von Frau Dr. Kettler, Alleingesellschafterin der Kettler-Gruppe, ausgewählten Chief Restructuring Officer Christian Krause unterstützt.
Damit steht das Unternehmen auch 66 Jahre nach der Gründung weiter für Qualitätsprodukte „Made in Germany.“
In einer 2. Pressemitteilung von heute teilt das Unternehmen weiter mit:
„Die Heinz Kettler GmbH & Co. KG (KETTLER) hat beim zuständigen Gericht in Arnsberg die Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beantragt. Das Gericht ist dem Vorschlag gefolgt und hat Rechtsanwalt Dr. Schulte-Kaubrügger zum vorläufigen Sachwalter bestellt. Mit ihm gemeinsam führt KETTLER die Geschäfte in eigener Verantwortung fort.
Das operative Geschäft läuft unverändert weiter. Aufgrund der hervorragenden persönlichen, langjährigen Kontakte zu den wesentlichen Kunden und Lieferanten hat es von allen Seiten Zuspruch für das Unternehmen gegeben, einhergehend mit einer Welle der Unterstützung aus dem Kreis der Mitarbeiter und Endverbraucher.
Gleichzeitig gestaltet KETTLER sein Restrukturierungskonzept weiter und wird auch zukünftig als Premium Freizeitmarke für Familien über alle Generationen tätig sein. Das Unternehmen will als Hersteller von Qualitätsprodukten Made in Germany erfolgreich sein und damit Standorte sowie Arbeitsplätze in Deutschland sichern. Das Konzept wird das gesamte Unternehmen umfassen.
In den vergangen Tagen hat KETTLER durch zahlreiche positive Kommentare erfahren, welche emotionale Bedeutung gerade das KETTCAR für viele Menschen hat. 15 Millionen verkaufte KETTCARS sind auch 15 Millionen persönliche Geschichten. Solche Geschichten soll es auch in Zukunft geben.“
Mit Horst Brandstätter verliert die PLAYMOBIL-Familie ihren Chef und die Spielwarenbranchen eine ihrer profiliertesten Persönlichkeiten
Seine Idee hat den Spielwarenmarkt revolutioniert und Kindern auf der ganzen Welt ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Am 3. Juni 2015 ist PLAYMOBIL-Chef Horst Brandstätter im Alter von 81 Jahren verstorben. Für die Kinder war er „Herr Playmobil“, für seine Mitarbeiter hausintern meist einfach nur „HOB“. Zuhause im fränkischen Zirndorf kam Horst Brandstätter noch bis zuletzt täglich ins Büro. Seine Firma, die geobra Brandstätter Stiftung & Co. KG, bekannt als Hersteller des Spielzeugklassikers PLAYMOBIL, war seine Leidenschaft, sein Lebenswerk.
Im Alter von 19 Jahren trat er 1952 in das Familienunternehmen ein, das seine zwei Onkel führten, und absolvierte zunächst eine Ausbildung als Formenbauer. Schnell wurde ihm klar, dass Maschinen und Arbeitsmethoden veraltet waren. Als Mitteilhaber setzte er sich daher bereits mit 21 Jahren für Innovationen in der Firma ein. Aus dieser Zeit stammte auch Brandstätters Abneigung gegenüber dem rückwärtsgewandten Leitsatz „Das war schon immer so“. Diesen Einwand ließ der nie rastende Firmenchef nicht gelten, denn er war überzeugt davon, dass ein Unternehmen und seine Mitarbeiter sich immer weiter entwickeln müssen, um für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet zu sein. Seine visionären Ideen sowie sein Mut zu Reformen bescherten dem Unternehmen Brandstätter bald bedeutende wirtschaftliche Erfolge: 1958 entwickelte sich die Produktion von Hula-Hoop-Reifen zu einem europaweiten Verkaufsschlager.
Mitten in der Ölkrise Anfang der 1970er Jahre stellte Brandstätter, der stets auf sein Bauchgefühl vertraute, erneut sein unternehmerisches Können unter Beweis. Er beauftragte seinen Mustermacher Hans Beck (1929 – 2009) damit, ein völlig neues Systemspielzeug zu entwickeln, das sich immer weiter ergänzen lässt. Die Vorgabe: maximaler Spielwert bei möglichst geringem Kunststoffverbrauch.
Das Ergebnis: 7,5 Zentimeter große Spielfiguren – ein Ritter, ein Bauarbeiter und ein Indianer – die unter dem Namen PLAYMOBIL auf der Spielwarenmesse 1974 zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. „Ihr Erfolg hat uns damals vor der Pleite gerettet“, bekannte Brandstätter später, der von der bis heute anhaltenden Faszination der Spielidee auf Kinder selbst überrascht gewesen ist: „Wer die Playmobil-Figur zum ersten Mal sieht, ist ja meist nicht beeindruckt, sie sieht sehr simpel aus. Was Playmobil wert ist, sieht man als Erwachsener nicht sofort. Es sind die Geschichten, die in den Köpfen der Kinder entstehen.“
Dank PLAYMOBIL entwickelte sich Brandstätters Unternehmen, das er inzwischen als Alleininhaber führte, zu Deutschlands größtem Spielwarenhersteller. Zuletzt, im Jahr 2014, betrug der weltweite Umsatz der Brandstätter Gruppe 595 Millionen Euro.
Dass er stets nach vorne blickte und nie müde wurde, neue Visionen Wirklichkeit werden zu lassen, belegt auch die Marke LECHUZA, die Brandstätter im Jahr 2000 als zweites Standbein für sein Unternehmen erfolgreich aufgebaut hat: Inzwischen entwickelt und produziert geobra Brandstätter nicht nur edle Kunststoff-Pflanzgefäße mit Erdbewässerungssystem unter diesem Namen, sondern auch hochwertige Garten-Möbel „made in Germany“.
Obwohl er als „bodenständiger Franke“, wie Brandstätter sich selbst gerne bezeichnete, standorttreu und heimatverbunden war, überwinterte er über 20 Jahre lang in seinem Haus auf Jupiter Island in Florida, um auch im Winter seiner sportlichen Leidenschaft, dem Golfspielen, nachgehen zu können. Und um seinen Managern und Mitarbeitern die Chance zu geben, frühzeitig zu lernen, wie es ist, das Unternehmen ohne seinen Kapitän zu steuern. „Wenn der Kapitän der Einzige ist, der weiß, wo der Kompass ist, und er fällt über Bord, geht das Schiff verloren. Die Zeit, in der ich nicht da bin, müssen meine Mitarbeiter selbst Entscheidungen treffen“, erklärte Brandstätter seine Strategie.
An den Ruhestand verschwendete der 81-Jährige bis zum Schluss zwar keinen Gedanken; dafür beschäftigte er sich umso mehr mit der Frage, wie es mit seinem Lebenswerk, seinem Unternehmen, und für die mehr als 4.000 Mitarbeiter weltweit nach ihm weitergehen soll:
„Ich habe meine Firma in eine Stiftung eingebracht, die mir als Eigentümerin nachfolgen wird. Mit der gemeinnützigen Stiftung fördern wir Kinder. Gleichzeitig wird das Unternehmen im Rahmen einer Unternehmensstiftung gesichert und nach meinen Vorstellungen weitergeführt.“
Mit Horst Brandstätter verliert die PLAYMOBIL-Familie nicht nur ihren Chef, Firmeninhaber und Patriarchen, sondern die Spielwarenbranche in Deutschland auch eine ihrer profiliertesten Persönlichkeiten.
Brandstätter war stets sparsam, aber keineswegs geizig, wenn es um wichtige Investitionen für seine Firma ging. Stolz setzte er im Mai 2013 den ersten Spatenstich für das neue PLAYMOBIL-Logistikzentrum in Herrieden – ein Invest von 80 Millionen Euro. Er war bis zu seinem Lebensende zielstrebig und weitblickend, scheute sich dabei aber nie, unkonventionelle Entscheidungen zu treffen.
Als fast die gesamte Branche ihre Produktion in die Billiglohnländer Asiens verlegte, setzte er auf einen arbeitsteiligen Produktionsverbund in Europa. Die größte Fertigungsstätte befindet sich im mittelfränkischen Dietenhofen, weitere Produktionsstandorte in Malta, Tschechien und Spanien. Konkurrenzfähig musste man natürlich sein, aber die Kontrolle über Qualität und Sicherheit seiner Produkte wollte Brandstätter nie aus der Hand geben.
Für Konsumenten wie Handelspartner und auch seine Mitarbeiter war er stets ein verlässlicher Fixpunkt. Einerseits ein Chef der alten Schule, andererseits aufgeschlossen und entschlossen, das Potenzial eines jeden Mitarbeiters zu fördern und zu fordern – ob alt oder jung, ob Mann oder Frau. Bis zuletzt.
Horst Brandstätter hinterlässt mit seinem Lebenswerk eine Erfolgsgeschichte, die hoffentlich andauern wird. Seine 4170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weltweit und seine Führungsmannschaft werden sein Schiff in Form der Unternehmensstiftung in seinem Sinne weitersteuern und dafür sorgen, dass PLAYMOBIL auch weiterhin Kindern auf der ganzen Welt ein Lächeln ins Gesicht zaubert.
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Horst Brandstätter
Horst Brandstätter, geboren am 27. Juni 1933, war der Alleininhaber der geobra Brandstätter Stiftung & Co. KG in Zirndorf, Hersteller des Spielzeugklassikers PLAYMOBIL. Er zählte zu den profiliertesten Persönlichkeiten der deutschen Spielwarenbranche. Der Erfolg seines über 60-jährigen Engagements als Unternehmer war vor allem seiner Fähigkeit geschuldet, zukünftige wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und sein Unternehmen darauf einzustellen.
Bereits in den 1950er-Jahren sah er die Zukunft der Spielwarenfertigung nicht mehr bei Metallwaren sondern im Kunststoffbereich. Er strukturierte den gesamten Fertigungsbetrieb des Familienunternehmens entsprechend um. Anfang der 1970er-Jahre beauftragte Horst Brandstätter seinen Mustermacher Hans Beck (1929 – 2009) damit, ein völlig neues Systemspielzeug zu entwickeln: PLAYMOBIL war geboren.
Für seine außergewöhnlichen Leistungen und sein soziales Engagement wurde Brandstätter 1993 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Seit 1997 ist er Ehrenbürger seiner Heimatstadt Zirndorf. Der Bund deutscher Unternehmensberater ernannte ihn 1999 zum „Manager des Jahres“. 2003 erhielt er den Bayerischen Verdienstorden, 2008 das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und 2013 ernannte ihn die Marktgemeinde Dietenhofen, Standort der größten PLAYMOBIL-Produktion, zum Ehrenbürger. Auch international finden seine Verdienste Anerkennung: Als ersten deutschen Spielwarenhersteller nahm ihn die nordamerikanische Toy Industry Association 2014 in ihre Hall of Fame auf.
Horst Brandstätter wäre am 27. Juni 2015 82 Jahre alt geworden.
Die geobra Brandstätter Stiftung & Co. KG mit Sitz im fränkischen Zirndorf bei Nürnberg ist der Hersteller von PLAYMOBIL und damit Deutschlands größter Spielzeugproduzent. Die 7,5 cm großen PLAYMOBIL-Figuren stehen im Zentrum dieses kreativen, vielfach ausgezeichneten Systemspielzeugs. Das fantasievolle Rollenspiel mit den historischen und modernen Themenwelten fasziniert Kinder und wird von Eltern und Pädagogen gleichermaßen geschätzt. Seit 1974 wurden bereits 2,8 Milliarden PLAYMOBIL-Figuren gefertigt. Die über 30 Spielthemen werden in mehr als 80 Ländern weltweit vertrieben. Die Brandstätter-Gruppe mit Produktionsstätten in Deutschland, Malta, Spanien und Tschechien erreichte 2014 einen Gesamtumsatz von 595 Mio. Euro und beschäftigt weltweit mehr als 4.000 Mitarbeiter. Das innovative Unternehmen steht für Premium Spielzeugqualität „made in Europe“. Seit 2000 entwickelt, produziert und vertreibt das Unternehmen unter dem Markennamen LECHUZA auch hochwertige Pflanzgefäße und Design-Gartenmöbel aus Kunststoff.
Im Frühjahr und Sommer erleben Kinder in neun deutschen Städten jede Menge Spielspaß in der bunten Welt der Pokémon. Sie sind wieder unterwegs: Die Pokémon reisen durch Deutschland, erleben Abenteuer in der Hoenn-Region und spielen sich in die Herzen aller Kinder. Zum zweiten Mal schickt Nintendo die ebenso wunder- wie wandelbaren Fantasiewesen auf die Pokémon Kids Tour. Von Ende Mai bis zum zweiten Septemberwochenende machen sie in neun deutschen Städten Halt und sorgen auf Kinder- und Stadtfesten für Abenteuerstimmung. Speziell Einsteigern eröffnet die Tour eine gute Gelegenheit, einmal in die spannende Welt der Pokémon einzutauchen. An mehreren Mitmachstationen können interessierte Kinder den Pokémon-Trainerpass erwerben, Rätsel lösen, beim Malen kreativ werden und tolle Preise gewinnen. Darüber hinaus warten zahlreiche Überraschungen auf die Besucher. Und nicht zuletzt können sie sich natürlich nach Herzenslust mit den neuen Editionen Pokémon Omega Rubin und Pokémon Alpha Saphir für die mobilen Konsolen der New Nintendo 3DS-Familie vergnügen.
Der „Start ins Abenteuer“ – so das Motto der Pokémon Kids Tour 2015 – erfolgt am 30. und 31. Mai beim Weltspieltag auf dem Alexanderplatz in Berlin. Nach Tourstopps in Köln, Kiel, Hamburg, Stuttgart und München, im LEGOLAND Deutschland bei Günzburg sowie in Dresden endet die Rundreise am 12. und 13. September beim Hits4Kids Festival in Essen. Der silberne Airstreamer von Nintendo sowie mehrere Zelte und Aktionsflächen der Partner AMIGO, Panini, Universal Pictures Germany und TOMY bilden mit jeder Station eine farbenfrohe Spielarena.
Im Hauptzelt können die Pokémon-Fans und alle, die es noch werden möchten, ihren persönlichen Pokémon-Trainerpass erhalten. An der ersten Station von Amigo lernen angehende Trainer beim Poké-Memo mit Sammelkarten die verschiedenen Arten von Pokémon zu unterscheiden. Anschließend lässt sich im Nintendo 3DS-Spiel das erste eigene wildlebende Pokémon fangen. An der dritten Station schließlich gilt es, einzelnen Pokémon die richtigen Megasteine zuzuordnen. Außer auf ihren Pass dürfen sich die frischgebackenen Trainer auf weitere Überraschungen freuen.
Ihre neu erworbenen Fähigkeiten können die Kids anschließend in den Spielen Pokémon Omega Rubin und Pokémon Alpha Saphir beweisen, die im Airstreamer auf sie warten. Darin durchstreifen sie die unerforschte Hoenn-Region, um z.B. die legendären, also besonders seltene und besonders starke Pokémon, Groudon und Kyogre aufzustöbern. Darüber hinaus lernen sie die neuen amiibo-Figuren von Nintendo kennen, die sie in dem Spiel Super Smash Bros. für Nintendo 3DS direkt ausprobieren können.
Zum Rahmenprogramm gehören auch eine Panini-Rätselstation und ein Kreativbereich: hier können die kleinen Tour-Gäste Kopfnüsse knacken und lustige Pokémon-Bilder ausmalen. Zudem dürfen sie mit dem Nintendo 3DS-Spiel Pokémon Art Academy künstlerisch kreativ werden und sich in Pokémon Rumble World in actionreiche Kämpfe stürzen. Ebenfalls vor Ort ist TOMY mit seinen begehrten Pokémon-Produkten. Im Anime-Zelt sind zahlreiche Trailer zu sehen: zu den zwei neuen Pokémon-Filmen „Genesect und die wiedererwachte Legende“ und „Diancie und der Kokon der Zerstörung“, die Universal Pictures Germany am 4. Juni auf DVD herausbringt sowie zur Pokémon Anime TV-Serie. Obendrein wird dort auch der neue Nintendo Anime Channel vorgestellt. Mit ihm können alle Nintendo 3DS-Besitzer völlig kostenlos ausgewählte Folgen der Pokémon Anime-Serie anschauen.
Kurz: Es gibt viel zu entdecken bei der Pokémon Kids Tour 2015. Und für viele Kinder wird sie vielleicht zum Beginn einer wunderbaren Freundschaft.
Fit durch Gesellschaftsspiele: Der „Spielepapst“ Erwin Glonnegger feiert 90. Geburtstag
Gesellschaftsspiele halten offensichtlich fit. Das weiß wohl keiner besser als Erwin Glonnegger. Wie kaum ein Zweiter brachte der Mann, der über 20 Jahre für das Spieleprogramm bei Ravensburger verantwortlich war, das Gesellschaftsspiel in deutsche Wohnzimmer und warb ein Leben lang für die deutsche Spielekultur, die er engagiert prägte. Am 19. Mai feiert der Spielepapst, wie ihn seine Fans respektvoll nennen, seinen 90. Geburtstag.
„Spielen Sie eigentlich noch?“ Glonnegger antwortet prompt: „Natürlich! Jeden Dienstag und Samstag, am Nachmittag mit einem kleinen Spielerkreis hier aus der Stadt.“ Seit vielen Jahren lädt er regelmäßig zu seinen Spielerunden ein und stellt Teilnehmern auch gerne neue Spiele vor, um deren Spielhorizont zu erweitern. Noch heute führt er diese Tradition im Gemeinschaftsraum des Seniorenstifts fort, in das er letztes Jahr umzog. Dass ihn das Gesellschaftsspiel mit seinen Winkelzügen, Wendungen, dem Planen der nächsten Schritte und sich Hineinversetzen in Mitspieler auch mit 90 rüstig gehalten hat, steht für ihn außer Frage. Dann zitiert er sich augenzwinkernd selbst: „Viel schöner noch als Sexappeal ist ein Ravensburger Spiel.“
Der richtige Riecher für Erfolgsspiele von memory bis Malefiz
Gesellschaftsspiele sind für Glonnegger, der als Spiele-Experte unter dem Wikipedia-Eintrag „Gesellschaftsspiele“ ganz oben rangiert, nicht nur eine alte Liebe, sondern auch eine Berufung:
1949 zog Glonnegger in seinem Lebenslauf eine Ereigniskarte: Er heuerte als ausgebildeter Buchhändler beim Otto Maier Verlag in Ravensburg an und widmete sich zunächst dem Vertrieb von Fachbüchern. Doch bald zeichnet sich Glonneggers besonderes Gespür für neue Themen, Produkte und Märkte auch bei Gesellschaftsspielen ab. Damit machte er Karriere und zog Anfang der 60er Jahre eine weitere Ereigniskarte: Ravensburger übertrug ihm die Leitung über das gesamte Programm des Spieleverlags.
Damals boomte das Gesellschaftsspiel in Deutschland und stieg während Glonneggers Tätigkeit von einer Randerscheinung zu einem in allen Schichten akzeptierten Freizeitvergnügen auf. Dafür hatte er unermüdlich getrommelt, außerdem besaß er einen untrüglichen Riecher für erfolgversprechende Spieleideen: Wenn Familien mit „memory“, „Malefiz“, „Deutschlandreise“ oder anderen Klassikern damals wie heute ihren Spaß haben, dann ist das ein wesentliches Verdienst von Erwin Glonnegger. Auch Ravensburger Longseller wie „4 erste Spiele“, das erste Spiel des Jahres „Hase und Igel“, „Öl für uns alle“, die Erwachsenenspiele „Casino-Serie“, das „Börsenspiel“ und viele mehr verantwortete er oder entwickelte er mit.
Spielbegeisterung ging bei Glonnegger weit über den Beruf hinaus: Er war – neben einem Team von Redakteuren – Programm-Macher, Spieleerfinder, Spielelobbyist und Erforscher der Spielekultur in einer Person. Und er hatte eine Mission: Die Anerkennung des Gesellschaftsspiels als Kulturgut. Er schrieb über das Spielen, war Gastautor in Zeitungen und Zeitschriften und erhielt für sein Engagement 1986 das Bundesverdienstkreuz. Wundert es, wenn er in der Spieleszene als „Botschafter des Gesellschaftsspiels“ bezeichnet wurde?
1985 beendete Erwin Glonnegger nach 36 Jahren seine Laufbahn bei Ravensburger, aber nicht seinen Einsatz für das Gesellschaftsspiel: 1988 erschien sein Lebenswerk „Das Spielebuch“ – ein Standardwerk in der Spielebranche. Es folgten zahlreiche Veröffentlichungen, Ausstellungen, Vorträge und Auszeichnungen. Vor zwei Jahren erst wurde er mit dem „Dau Barcelona Award“ geehrt. Neues Spiel – neues Glück! Das wünschen ihm Ravensburger, viele Spielefans und SPIELZEUGinternational zu seinem Geburtstag.